Bingo und Wohltätigkeit: Ein historischer Zusammenhang

Bingo und Wohltätigkeit: Ein historischer Zusammenhang

Wenn man heute an Bingo denkt, erscheinen Bilder von geselligen Abenden in Gemeindezentren, Altersheimen oder Online-Plattformen. Doch hinter den bunten Karten und den gerufenen Zahlen verbirgt sich eine lange Geschichte, in der das Spiel eine besondere Rolle für Gemeinschaft und Wohltätigkeit gespielt hat. Bingo war nie nur Unterhaltung – es war und ist auch ein Mittel, Menschen zusammenzubringen und Gutes zu tun.
Von italienischem Lotto zum Gesellschaftsspiel
Die Wurzeln des Bingo reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als in Italien ein Lotteriespiel namens Lo Giuoco del Lotto d’Italia populär wurde. Von dort gelangte es nach Frankreich und Deutschland, wo es nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern auch als pädagogisches Werkzeug diente – etwa um Kindern Zahlen und Buchstaben beizubringen.
In den 1920er-Jahren erhielt das Spiel in den USA seine moderne Form. Der Spielwarenhändler Edwin S. Lowe beobachtete ein ähnliches Spiel auf einem Jahrmarkt in Georgia, bei dem die Teilnehmenden „Beano!“ riefen, wenn sie gewannen. Er änderte den Namen in „Bingo“, und das Spiel wurde rasch zu einem Massenphänomen. Es war einfach, günstig und brachte Menschen aller Altersgruppen zusammen.
Kirchen, Vereine und das gute Werk
Schon bald entdeckten amerikanische Kirchen und Vereine das Potenzial des Spiels, um Spenden zu sammeln. In den 1930er-Jahren wurden Bingoabende zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens. Die Einnahmen dienten der Renovation von Kirchen, der Unterstützung Bedürftiger oder der Finanzierung sozialer Projekte.
Auch in der Schweiz fand Bingo seinen Platz – oft unter dem Namen „Lotto“. Besonders in ländlichen Regionen und in den Pfarreien der katholischen und reformierten Kirchen wurden Lottonachmittage organisiert, deren Erlös wohltätigen Zwecken zugutekam. Viele Turnvereine, Musikgesellschaften und lokale Hilfsorganisationen nutzen das Spiel bis heute, um Geld für ihre Aktivitäten oder für soziale Projekte in der Region zu sammeln.
Bingo als sozialer Treffpunkt
Neben dem finanziellen Aspekt hat Bingo immer auch eine soziale Funktion erfüllt. Es bietet Gelegenheit, sich zu treffen, zu plaudern und gemeinsam zu lachen. Gerade für ältere Menschen ist ein Bingo- oder Lottonachmittag oft ein wichtiger Fixpunkt im Wochenablauf – ein Moment der Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Diese soziale Dimension macht das Spiel auch für wohltätige Organisationen attraktiv. Schweizer Institutionen wie Pro Senectute, lokale Rotkreuzsektionen oder Quartiervereine veranstalten regelmässig Bingoabende, bei denen der Spass im Vordergrund steht, aber gleichzeitig Spenden für gute Zwecke gesammelt werden.
Vom Saal ins Internet
Wie viele andere Freizeitaktivitäten hat auch Bingo den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft. Online-Bingo-Plattformen und virtuelle Veranstaltungen ermöglichen es, von zu Hause aus mitzuspielen. Während der Corona-Pandemie wurden digitale Bingoevents zu einem beliebten Ersatz für physische Treffen – sie halfen, soziale Kontakte zu pflegen und gleichzeitig Spendenaktionen fortzuführen.
Auch in der Schweiz haben sich einige gemeinnützige Organisationen dieser Form angenommen. Virtuelle Lottonachmittage, bei denen ein Teil der Teilnahmegebühr an Hilfsprojekte geht, verbinden Tradition mit moderner Technologie.
Eine lebendige Tradition
Die Geschichte des Bingo zeigt, wie ein einfaches Spiel über Jahrhunderte hinweg Menschen verbindet und Gutes bewirkt. Von den italienischen Lotterien über amerikanische Kirchengemeinden bis zu Schweizer Dorfvereinen und Online-Plattformen – Bingo bleibt ein Symbol für Gemeinschaft, Freude und Solidarität.
Wenn also das nächste Mal jemand „Bingo!“ ruft, ist das nicht nur ein Zeichen des Glücks, sondern auch ein Echo einer langen Tradition, in der Spiel, Zusammenhalt und Wohltätigkeit Hand in Hand gehen.













